• Michelle Brey

Ein Traum, eine Stimme: Colton Avery - The One

Aktualisiert: Juni 10

Träume beginnen meist irgendwo, irgendwann. Oftmals zum Greifen nahe und im nächsten Moment so weit entfernt, dass man denkt, sie würden nie in Erfüllung gehen. Manchmal geht es im Leben vielleicht auch darum alles für einen Traum zu riskieren, den niemand sehen kann – außer man selbst. Ein Traum? – Für Colton Avery einer, der in Erfüllung geht.


Als im März 2015 ein junger Mann mit Gitarre die Bühne im Zenith in München betrat, kannte ihn wohl nur eine Handvoll des Publikums. Der Rest war gekommen, um die irische Erfolgsband The Script – bekannt durch ihren Song Hall Of Fame – live zu erleben. „Hi, my name is Colton Avery“, sagte er durch das Mikrofon und innerhalb weniger Minuten hatte Avery auch den letzten The-Script-Fan im Publikum durch seine einzigartige Stimme in seinen Bann gezogen. Als Musiker in den Hallen und Stadien dieser Welt performen. Ein Traum? – Für Colton Avery einer, der in Erfüllung ging.


Von Rockmusik, R&B und Soul – Colton Averys Anfänge

1990 in einer Kleinstadt von New Mexiko in den USA namens Farmington geboren, hatte Colton Avery von Kindheitstagen einen Traum: Sänger werden, Stadien füllen, Musik machen. Verrückt nach Musik sei er gewesen, erzählt er. Mit 13 Jahren war der erste Schritt gemacht: Avery begann Gitarre zu spielen. „Das kam natürlich“, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu, „das Singen nicht.“ Als er im Alter von 16 Jahren begann seine Gesangskünste auszutesten, schienen seine Eltern nicht allzu begeistert zu sein. „Sie pflegten zu sagen: „Wer stirbt denn da unten?“, wenn ich mich an Rockmusik versuchte“, erzählt Avery lachend. Erst als er in die Genres Soul und R&B eintauchte, sei er „irgendwo“, wie er es beschreibt, angekommen.


Colton Averys erste Auftritt in Farmington – „Es fühlte sich an wie…“

„Irgendwo“ war damals eine Art Talentshow in einem kleinen Theater in Farmington, in das knapp 200 Menschen hineinpassten. Avery sagte auf Nachfrage eines Freundes hin zu – und stand kurze Zeit später in einem nicht einmal zur Hälfte gefüllten Theater vor 50 Menschen. „Trotzdem fühlte es sich wie das Tollste auf der Welt an“, blickt Avery zurück. Im gleichen Jahr zog es seine Familie und ihn dann nach Arizona, was die beste Entscheidung für ihn gewesen sei, die man damals hätte treffen können. „Arizona öffnete auf musikalischer Ebene so viele Türen, die Farmington einfach nicht hatte.“


Averys Debüt-Album „Waves“ erschien 2012

Einige Jahre später – wir springen in das Jahr 2012 – veröffentlicht Colton Avery sein erstes Studioalbum mit dem Titel Waves. Die Produktion des Albums als solches hatte insgesamt drei Monate in Anspruch genommen. An den Texten hatte Avery hingegen einige Jahre gesessen, wie er erzählt. Zwölf Songs finden sich auf Waves, das schließlich am 13. März 2012 veröffentlicht wurde. Der Song Cinderella schaffte es zwei Jahre später in die ABC Family Show „Switched at Birth“. Ein weiterer Song namens Bella Luna, der nicht auf seinem Album enthalten ist, wird 2012 der Hintergrundsong einer Werbung der Marke Denim.

„No Sound Without Silence“ – Colton Avery mit The Script auf Tour

Drei Jahre später befindet sich Colton Avery wahrlich nicht mehr nur „irgendwo“, wie er es einst nannte. 2015 machte er den Schritt auf die großen Bühnen der Welt – hinein in die Öffentlichkeit, hinein ist das Showbusiness. Plötzlich stehen dort nicht mehr nur 50 Menschen vor der Bühne, sondern mehrere Tausend. Als Opening Act der irischen Erfolgsband The Script verschlägt es ihn nicht nur nach München. Er begleitete die irische Band auf der „No Sound Without Silence“-Tour nach Europa, Nordamerika, auf die Philipinen, nach Thailand und Malaysia. „The Script war Fan meiner Musik und deshalb fragten sie mich, ob ich sie auf der Tour begleiten möchte, was unglaublich nett von ihnen war“, sagt der heute 30-Jährige. Gänsehaut. Eines der Worte, das es wohl am besten beschreibt, wenn Colton Avery nur begleitet von seiner Gitarre all seine Gefühle in seine Stimme und die Songs legt. Nervosität? Das kenne Avery nicht.


The Script vor 70.000 Menschen in Dublin – Colton Avery als Opening Act vor Pharell Williams

Der Höhepunkt der Tour führt The Script zusammen mit Pharell Williams und Colton Avery nach Dublin. In der Hauptstadt Irlands füllt die Band das Stadion „Croke Park“ mit einem Fassungsvermögen von mehr als 70.000. Auch hier darf Colton Avery die gekommenen Fans auf die Band einstimmen. „Croke Park war besonders, weil…es eben Croke Park war“, sagt er grinsend und man könnte glauben, dass er es manchmal selbst gar nicht so richtig fassen kann. „Es war so elektrisierend. Es war eine Energie, die ich nie vergessen werden.“ Auf der gleichen Bühne wie Pharell Williams und The Script zu spielen und „ihnen zuzuschauen, war einfach unglaublich“, erinnert er sich zurück. Nach der Tour produziert Colton Avery für YouTube zusammen mit The Script seinen Song Weatherman.


Averys zweites Album erscheint 2020

Songs wie The One, Weatherman oder Murder blieben nicht lange Einzelstücke. 2016 veröffentlicht Avery einen neuen Song: Beg, Steal, Borrow. Im gleichen Jahr arbeitete er mit DJ und Producer Nick Romero zusammen. Take Me heißt der Song, der dabei entstand. 2017 folgte sein Song Religion, der aktuell über 3.3 Millionen Mal auf Spotify aufgerufen wurde (Stand: 4. März 2020). 2018 veröffentlichte er zwei weitere Songs: Far Too Long und Fireproof, sein bislang erfolgreichster Song auf Spotify. Mehr als stolze sieben Millionen Mal wurde dieser Song gestreamt. 2020 soll das Jahr seines zweiten Studioalbums namens Flint werden. Die erste Single „Colorblind“ ist am 25. März 2020 erschienen.


Colton Avery ist heute mehr als nur „irgendwo“. Er ist angekommen im Musikbusiness. Lebt wahlweise in Los Angeles und London, schreibt seine eigenen Songs und arbeitet mit anderen Musikern. „Ich hatte einen Traum und folgte ihm“, sagt er mit einem Glänzen in den Augen. „Niemand hatte diesen Traum gesehen“, erzählt er und fügt schmunzeln hinzu, „Niemand, außer mir. Es scheint, als sei ich manchmal immer noch das Kleinstadtkind gegen die große Welt."


Text: Michelle Brey

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